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was bei PXE und Medikamenten zu beachten ist

Aspirin & Co.

Gehen Sie vorsichtig um mit Medikamenten gegen Entzündungen und Schmerzen vom Typ ASS (z.B. Aspirin) und allen sogenannten nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR, z.B. Ibuprofen). Das gilt besonders, wenn bereits Blutungen in Magen oder Netzhaut aufgetreten sind. Diese Wirkstoffe verdünnen das Blut und lassen Blutungen leichter auftreten. Man darf sie gelegentlich benutzen. Teilen Sie Ihrem Arzt bei der jährlichen Untersuchung mit, welche Medikamente Sie nehmen und klären Sie mit ihm den Umgang mit diesen Medikamenten ab.

Avastin und Lucentis

Avastin (Bevaczizumab) ist ein Medikament, welches das Wachstum von Blutgefäßen unterbindet.
Ursprünglich wurde es entwickelt, um das Wachstum von Krebszellen zu behandeln. Krebszellen brauchen Nahrung und Sauerstoff für ihr Wachstum, die von den Blutgefäßen geliefert werden. Avastin bindet ein Protein, welches das Zellwachstum im menschlichen Körper fördert.
Es wurde mit gutem Erfolg bei einer Reihe von Krebsarten eingesetzt, und seine Verwendung als Medikament erhielt die Zulassung von der FDA (United States Food and Drug Administration).
Die Zerstörung der Augen-Netzhaut wird zum Teil von abnormem Wachstum von Blutgefäßen unter der Netzhaut, meist im Makula-Bereich verursacht. Weil Avastin das Wachstum neuer Blutgefäße blockiert, wurde es bei Patienten mit AMD (Altersbedingte Makula-Degeneration) eingesetzt, und zwar mit Erfolg. Es wird als 'off-label'- Medikament genutzt, zugelassen ist es nur für die Behandlung von Krebs.
Eine direkte Injektion des Medikaments in das Auge erlaubt eine zielgerichtete Behandlung, bei der man nur eine sehr geringe Dosis braucht. Man benutzt nur 1/500tel der intravenös verabreichten Menge.
Bisher gab es kaum Probleme im Auge oder im sonst im Körper bei intravitrealer Avastin- Behandlung. Dagegen leiden Krebspatienten öfter unter ernsthaften Nebenwirkungen, wenn ihnen Avastin während der Chemotherapie intravenös verabreicht wird.
Bei Patienten mit Makula-Degeneration hat sich bei einer signifikanten Zahl von Patienten die Sehschärfe entweder stabilisiert oder sogar verbessert nach Injektion in das Auge. Auch die üblichen Tests, z.B. in der  Fluoreszenz- Angiographie, zeigen positive Werte. Derartige  Erfolge bei der Behandlung von Netzhaut-Patienten gab es bisher nicht. Auch bei anderen Netzhauterkrankungen als AMD gab es gute Ergebnisse.

Die ursprüngliche Hersteller-Firma, Genentech,- inzwischen wurde sie von La Roche/Novartis gekauft- hat ein anderes Medikament  entwickelt, Lucentis (Ranibizumab). Es handelt sich um ein verändertes Spaltprodukt von Avastin, es enthält denselben Wirkstoff, es funktioniert genau wie Avastin.
Lucentis wurde für den Einsatz im Auge entwickelt und Genentech hat dafür klinische Tests durchgeführt, die positiv verlaufen sind. Für Avastin hat Genentech den sehr teuren Aufwand für die Zulassung des Medikaments nicht betrieben.

Seit Jahren setzen die Augenärzte Avastin weltweit ein - obwohl es ursprünglich gegen Darmkrebs entwickelt wurde und nicht für die AMD zugelassen ist. Trotzdem ist es inzwischen längst medizinischer Standard. In den Universitätskliniken gehört die Avastin- Behandlung zur Routine, auch bei PXE- Patienten, die seit vielen Jahren erfolgreich damit behandelt werden (USA seit 2005).

Das deutsche Bundessozialgericht hat den sogenannten 'Off-Label-Use' - das ist die Anwendung von Medikamenten außerhalb des ursprünglichen Einsatzbereichs - zugelassen, allerdings nur unter drei Bedingungen: wenn es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, wenn kein zugelassenes Medikament zur Verfügung steht und wenn unter Ärzten Konsens über die Wirksamkeit besteht. Bei Avastin waren alle Voraussetzungen für den Off-Label-Use erfüllt. Doch jetzt dürfen die Krankenkassen Avastin nicht mehr bezahlen, weil es mit Lucentis ein für die Behandlung am Auge zugelassenes Medikament gibt.
Das Problem: eine Lucentis -Injektion kostet etwa 1.600 Euro pro Injektion - und damit 40-mal mehr als eine Avastinspritze.Sicher ist, dass bei beiden Medikamenten mehrere Behandlungen nötig sind, je nach Einzelfall müssen die auch wiederholt werden.

Die Kassen verweigern jedoch die Zahlung bei PXE-Patienten, weil die Behandlung mit Lucentis von den Kassen nur bei feuchter AMD erstattet wird. Kosten für Avastin werden kaum von einer Kasse erstattet.

Avastin und Lucentis sind bei PXE bisher die einzigen Medikamente, die  Netzhautblutungen stoppen. Dem Patienten werden wenig Wahlmöglichkeiten gelassen: Entweder bezahlt er die Behandlungen selbst, oder er setzt sich mit seiner Kasse auseinander , indem er sich auf die oben erwähnte Rechtsprechung vor allem des Bundessozialgerichts bezieht. Möglich wäre auch, wenn der Arzt bei PXE- Patienten vorsichtig und überlegt in der Formulierung der Diagnostik vorgeht, damit die Krankenkasse keine Probleme bei der Erstattung sieht.


Aus einer Fernseh-Sendung vom März 2007 - SWR    (Uschi Biermann)
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2258318/ohrc47/index.html
Ein Gesetz fern jeder medizinischen Praxis und Vernunft, findet Dr. Armin Scharrer, Präsident der deutschen Augenchirurgen: "Eine Vielzahl von Publikationen bezeugt Wirksamkeit und gute Verträglichkeit von Avastin. Dass die Herstellerfirma selbst kein großes Interesse daran hat, solche formalen Studien in Auftrag zu geben und zu finanzieren, ist - rein ökonomisch gesehen - nachvollziehbar."

Dieter Goette vom Pharmakonzern Novartis rechtfertigt dagegen die Herstellung des neuen Medikaments und rechnet die Kostenfrage klein: "Lucentis und Avastin sind zwei völlig unterschiedliche Arzneimittel, die auch für unterschiedliche Indikationen zugelassen worden sind. Für Lucentis rechnen wir in Deutschland pro Jahr mit etwa 20.000 Patienten, die unter der feuchten, altersbedingten Makuladegeneration leiden."
Dr. Armin Scharrer, Präsident der Deutschen Augenchirurgen, hält ganz andere Zahlen dagegen: "Auf der Grundlage einer sehr bekannten amerikanischen Prävalenzstudie müssen wir davon ausgehen, dass in Deutschland bei den 43- bis 86-Jährigen, bezogen auf das Jahr 2006, 431.000 Patienten mindestens an einem Auge eine feuchte Makuladegeneration haben und damit für die Behandlung primär in Frage kommen."

Die Rechnung ist einfach: Mit Avastin kostet die Behandlung rund 200 Millionen Euro pro Jahr, mit Lucentis dagegen bis zu sieben Milliarden. Für Prof. Gerd Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat für Gesundheitsfragen, ist das angesichts leerer Kassen ein Skandal: "Mir erscheint es so, dass die pharmazeutischen Firmen mehr und mehr ihre Unersättlichkeit unter Beweis stellen und antreten, die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung zu plündern. Es wird höchste Zeit, dass die gesetzliche Krankenversicherung in Verhandlungen mit pharmazeutischen Herstellern eintreten kann, dass sie möglicherweise sogar Sanktionen ausrufen kann oder dazu aufrufen kann zu boykottieren, wenn solche pharmazeutischen Hersteller unbedingt ihre Gewinne zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erhöhen wollen."
Schuld ist also der Gesetzgeber. Wir fragen beim Gesundheitsministerium nach, doch dort fühlt man sich nicht zuständig und verweist an die Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Auch dort Fehlanzeige. Verpflichtend seien die politischen Vorgaben. Leicht zu durchschauen, dass bei diesem Spiel die Patienten am Ende die Zeche zahlen.


Einige Urteile dazu, die sich alle auf die Behandlung der feuchten AMD beziehen: